Sterben

Langsam wächst der Acker,
bedrohlich nah er bei der Alten,
grün wie Tann ergießt sich Eiter
aus Furch im Schritt und Busenfalten.

Mit Händen, ähnlich knorrend Zweige,
die einst mühsam Werk gebaren,
sucht sie das Gestern im Geweide,
als Leib und Wohl beisammen waren.

Doch staubig muten alte Jahre,
die Uhr tickt weiter, Stund um Stund.
Sie betet, dass sie Gott bewahre,
wenn letzter Odem streicht den Mund.

Die glasig Augen, tief gefallen
in Schädels Höhle, doch sie sehn
Erinnerungen, erst widerhallen,
dann vergilben, zum Schluss vergehn.

Ein leises Lächeln berührt ihr Wesen,
als sie im stummen Geist gesehen,
wie reich das Leben doch gewesen
und sie nun kann in Ruhe gehen.

Der Acker nun bedrohlich nah,
ein letztes Bild im Augenrund,
und als die Nacht den Tag gebar,
strich letzter Odem ihren Mund.

© Daniela Wegert 2009

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